Die Rente mit 63

kann natürlich aus unterschiedlicher Sicht betrachtet werden. Und es gibt durchaus Grund zur Sorge.

Zum einen, weil man befürchtet, dass alle AN plötzlich und unverzüglich das Unternehmen verlassen. Zum anderen, weil das alle machen und somit am Arbeitsmarkt noch weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen, als prognostiziert.

Diese Sorge muss sicherlich ernst genommen werden.
Aber ist es ausreichend, wenn man sich nur mit dieser Sorge beschäftigt? Ist es ausreichend, wenn man nur diese mögliche Szenario beschreibt, ohne daran zu arbeiten, dass aus der Möglichkeit keine Realität wird?

Bereits mit Einführung der Altersteilzeit in den 1990ern wurde als unmittelbarer Reflex der Untergang der Unternehmen auf der einen Seite und der massenhafte Exodus aus dem Arbeitsleben der Erwerbstätigen befürchtet, sogar beschworen. War das so? Ich meine mich daran erinnern zu können, dass das keineswegs der Fall war. Und das nicht nur, weil es die Überforderungsklausel für die Unternehmen gab. Vielmehr erinnere ich mich an viele Gespräche mit Beschäftigten, die nach der Auskunft der zu erwartenden Abschläge und der tatsächlichen Rentenhöhe, desillusioniert waren. Die Alternative des vorzeitigen Beenden des Arbeitslebens scheiterte für viele an der materiellen Ausstattung des nächsten Lebensabschnittes.

Ja, die Sozialpartner haben viel daran getan, dass die individuelle Altersvorsorge durch Anreize aufgestockt wurde. Dennoch reicht in sehr vielen Fällen die Möglichkeit, die zu erwartende Schere zwischen Nettoeinkommen und Rentenhöhe durch individuelle Vorsorge auszugleichen, nicht aus.

Natürlich das eine spekulative These. Aber ist es die These über den massenhaften Abgang aus Unternehmen nicht auch?

Was ist eine mögliche Alternative?

Unternehmen können handeln.
Sie können handeln und die Bedingungen von Arbeit verändern.
Sie können handeln und damit die Grundlagen schaffen, dass Arbeit erfüllt, nicht als reine Belastung empfunden und gemessen wird und somit die Assoziation “Arbeit = Belastung = schlecht = aussteigen” auflösen.
Der sozialpolitische Diskurs wird sicherlich weitergeführt werden.
Aber dieser Diskurs hat nicht unmittelbar damit zu tun, dass die Bedingungen für Arbeit in Unternehmen verändert und damit Arbeit attraktiver gemacht werden darf. Angefangen von einer gleichberechtigten Behandlung von Mensch, Maschine und Prozess, über die Gestaltung von Arbeitszeit, Lernhaltigkeit von Arbeit, Führungs- und Unternehmenskultur, bis hin zum Thema Gesundheit – alles Themen, die wesentlich zur Arbeitsfähigkeit bis ins Alter beitragen.

Auch deshalb ist der demografische Wandel nicht eine unabwendbare Katastophe, sondern die Chance durch Gestalten das Unternehmensimage gegenüber Wettbewerbern deutlich hervorzuheben.

“Zukunft ist kein Schicksalsschlag, sondern die Folge der Entscheidungen, die wir heute treffen.” (Franz Alt)

Also lieber zusammen die Zukunft anpacken, als sich auf andere verlassen.